English version please see below

Jedes Unternehmen beschäftigt sich vor einer Investition mit deren Return on Invest. Ein ganz normaler und zwingend erforderlicher wirtschaftlicher Vorgang. In Wirtschaftszweigen wie dem Handel und der Logistik ein sicherlich noch stärker ausgeprägter Prozess, da die Gewinnmargen in diesen Branchen eher im unteren einstelligen Prozentbereich liegen.

Wenn dem aber so ist, und sich jeder an den eingangs beschriebenen kaufmännischen Vorsatz hält, warum kommt es dann immer wieder zu gewaltigen Fehlinvestitionen?

Gerne wollen wir dieses Phänomen in unseren Branchen Software und Logistik näher betrachten.

In früheren Blogbeiträgen haben wir bereits ausführlich über die enorme Vielfalt an Softwarelösungen für die Logistikbranche gesprochen. Und auch über die Vielzahl an Teilnehmern entlang der Supply Chain. Selbstverständlich alles global vernetzt. Diese Aspekte zusammengenommen stellen sicher schon eine mögliche Ursache für Fehlinvestitionen dar. Die Komplexität macht es schwer bis schier unmöglich, eine Investitionsentscheidung auf Basis voller Transparenz und umfänglichen Wissens zu treffen.

Durch die Presse gingen in den letzten Jahren verschiedene bekannte Fälle mit vermeintlich gescheiterten Softwareprojekten. SAP und Lidl mit einem angeblichen Schaden von 500 Millionen Euro oder SAP und Deutsche Post DHL mit ebenfalls kolportierten 500 Millionen Euro Schaden. Bitte lassen Sie uns gleich darauf hinweisen, dass die zweifache Nennung von SAP in diesem Kontext aus unserer Sicht nur mit der Größe der Projekte und deren Bekanntheit zusammenhängt und nicht mit SAP als alleinigem Verursacher vermeintlicher Probleme bei der Einführung von Software.

Allgemein wird bei den genannten Projekten berichtet, dass eine der Ursachen für das Scheitern darin lag, dass der Versuch unternommen wurde, eine Standardsoftware soweit zu individualisieren, bis sie auf die individuellen Prozesse der jeweiligen Kunden passte. Natürlich unter Beibehaltung aller sonstigen Vorteile einer Standardsoftware wie automatische Updates, hohe Performance, Featurevielfalt etc..

Andererseits wurde auch berichtet, dass es die Kunden versäumt hätten, ihre Prozesse den neuen Anforderung anzupassen oder nicht willens gewesen wären, komplett neue Prozesse zu denken. Es wurde an alten Mustern festgehalten. Getreu dem Motto „Alter Wein in neuen Schläuchen“.

In der Kombination ein Problem, welches mit Nichten nur bei großen Projekten vorkommt. Vielmehr spiegelt es den Alltag nahezu aller Softwareanbieter mit deren Kunden und vice versa wieder.

In nahezu jedem Softwareprojekt dieser Welt, gleich ob groß oder klein, kommt es bei der Einführung zu nicht geplanten Verzögerungen und in den meisten Fällen auch nicht geplanten Mehrkosten. Natürlich mit größeren negativen Skaleneffekten bei Großprojekten, aber bei Kleinprojekten oftmals noch dramatischer, da die Kapitaldecke der beteiligten Unternehmen wesentlich dünner ist und man somit im Prinzip zum Erfolg verdammt ist. Oder anders ausgedrückt, man lernt mit Schmerzen zu leben, weil deren Beseitigung definitiv den ohnehin schon schwer messbaren ROI noch weiter drücken oder gar ganz verschwinden lassen würde.

Fassen wir an dieser Stelle noch einmal kurz zusammen. Die Probleme liegen also primär

  • in dem Versuch, Standardsoftware auf individuelle Prozesse anzupassen
  • in der fehlenden Einschätzung der Kunden, was wirklich benötigt wird
  • im fehlenden Mut der Kunden, die eigenen Prozesse zu hinterfragen
  • in der transparenten Darstellung der Softwareanbieter, was ihre Software wirklich im Stande ist zu leisten und was nicht.
  • In dem Fakt, dass Unternehmen oft viel zu lange mit der Erneuerung ihrer Software warten

Wie können wir also die Probleme verringern oder gar beseitigen?

Die Lösung liegt verständlicherweise in der Kombination der fünf genannten Problemfelder.

Der Einsatz von Standardsoftware ist nach vorne gerichtet sicherlich der richtige Weg. Die vereinten Anstrengungen aller Softwareunternehmen, ihre Produkte noch einfacher, noch zielgerichteter und auch feingranularer anzubieten trägt schon heute Früchte. Cloud, Plattform und SaaS lassen grüßen.

Dennoch müssen auch die Softwareanbieter verstehen, dass nicht alles über einen Kamm geschert werden kann. Ihre Kunden haben individuelle Anforderungen, sind in unterschiedlichen Branchen und haben mit Abhängigkeiten zu kämpfen, die nicht von heute auf morgen über den Haufen geworfen werden können. Und – und das ist sicherlich der Hauptgrund für viele Differenzen – die Menschen müssen mitgenommen werden. Digitalisierung ist mit Nichten eine rein technische Herausforderungen, es ist ganz grundsätzlich eine menschliche Herausforderungen. Alles, was man vielleicht gar Jahrzehnte lang gemacht hat wird in Frage gestellt. Und das in vielen Fällen, ohne es den Mitarbeitern/den Menschen wirklich zu erklären, sie auf dem Weg der Transformation aktiv einzubinden. Ein Fehler, den fast jedes Unternehmen selbst heute noch macht. Für Softwareanbieter heißt das, sie müssen ihre Angebote so gestalten, dass sie schrittweise einführbar und aufbaubar sind. Das sie soweit konfigurierbar sind, dass ihre Kunden Prozesse schrittweise verändern und anpassen können und nicht das Gefühl haben, morgen wird der große Schalter umgelegt. Diese Dynamik muss von Seiten der Softwarehersteller gewährleistet und verstanden werden.

Gleichzeit ist genau dieser Aspekt aber auch die Überleitung zu den Logistikunternehmen. Eine Software zu kaufen ist nicht schwer, die Richtige zu kaufen um so mehr. Und bei der Einführung fängt der Spaß erst richtig an. Das muss jedem bewusst sein. Daher muss der Kauf einer Software mit einem im Unternehmen implementierten und gelebten Change Management Prozess Hand in Hand gehen. Die operative Basis muss in allen Schritten beteiligt werden. Digital First Gedanken müssen behutsam platziert werden. Die Menschen dürfen nicht von Angst und Sorge um ihren Arbeitsplatz getrieben werden, sondern müssen mit Freude auf die neuen Dingen reagieren können. Dann wird es gelingen, die Menschen dazu zu bewegen, Altes loszulassen und Neues zu wagen. Aber Schritt für Schritt und mit Bedacht. Ein schlechter Prozess, der digitalisiert wird, ist ein digitaler schlechter Prozess – nicht mehr und nicht weniger.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Es muss zum Einen der Effizienzsteigerung und dem erhöhten Wohlbefinden der Belegschaft dienen und zum Anderen die Kundenzufriedenheit und den Kundennutzen sichtbar wachsen lassen. Nur dann ist Digitalisierung sinnvoll und auch nachhaltig.


English version

Before making an investment every company looks at its return on investment. A completely normal and absolutely necessary economic process. In branches of the economy such as trade and logistics this is certainly an even more pronounced process, since the profit margins in these sectors are more in the lower single-digit percentage range.

But if that is the case and everyone adheres to the commercial resolution described at the beginning why are there always huge bad investments?

We would like to take a closer look at this phenomenon in our sectors software and logistics.

In previous blog posts we have already talked in detail about the enormous variety of software solutions for the logistics industry. And also about the large number of participants along the supply chain. Everything is globally networked, of course. Taken together, these aspects are certainly a possible cause of bad investments. The complexity makes it difficult or almost impossible to make an investment decision on the basis of full transparency and extensive knowledge.

Various well-known cases with supposedly failed software projects have been in the press in recent years. SAP and Lidl with an alleged damage of 500 million euros or SAP and Deutsche Post DHL with also rumored 500 million euros in damage. Please let us immediately point out that the double mention of SAP in this context, from our point of view, is only related to the size of the projects and their awareness and not to SAP as the sole cause of alleged problems with the introduction of software.

In general, it is reported in the projects mentioned that one of the causes of the failure was that an attempt was made to individualise standard software until it matched the individual processes of the respective customer. Of course, while retaining all the other advantages of standard software such as automatic updates, high performance, variety of features, etc.

On the other hand, it was also reported that customers failed to adapt their processes to the new requirements or were unwilling to think about completely new processes. Old patterns were retained. True to the motto „old wine in new bottles“.

In combination a problem that occurs with nieces only in large projects. Rather, it reflects the everyday life of almost all software providers with their customers and vice versa.

In almost every software project in the world, whether large or small, there are unplanned delays and in most cases unplanned additional costs. Of course, with larger negative economies of scale for large projects but often even more dramatic for small projects since the capital of the companies involved is much thinner and you are basically doomed to success. In other words, you learn to live with pain because eliminating it would definitely reduce the ROI, which is already difficult to measure or even makes it disappear entirely.

Let’s summarize briefly at this point. So the problems are primarily

  • Trying to adapt standard software to individual processes
  • in the lack of customer assessment of what is really needed
  • in the lack of courage on the part of customers to question their own processes
  • in the software vendors‘ transparent presentation of what their software is really capable of and what is not.
  • In the fact that companies often wait too long to update their software

So how can we reduce or even eliminate the problems?

Understandably, the solution lies in the combination of the five problem areas mentioned.

The use of standard software is certainly the right way forward. The combined efforts of all software companies to offer their products in an even simplier, more targeted and even more finely-grained manner are already bearing fruit today. Cloud, platform and SaaS send their regards.

However, software providers must also understand that not everything can be lumped together. Your customers have individual requirements, are in different industries and have to struggle with dependencies that cannot be thrown overboard overnight. And – and that is certainly the main reason for many differences – the people have to be taken along. Digitalisation is by no means a purely technical challenge, it is fundamentally a human challenge. Everything that you may have done for decades is called into question. And in many cases, without really explaining to employees / people how to actively involve them on the path of transformation. A mistake that almost every company still makes today. For software providers, this means that they have to design their offers in such a way that they can be introduced and expanded step by step. That they are configurable to the extent that their customers can change and adapt processes step by step and do not have the feeling that tomorrow the big switch will be thrown. This dynamic must be guaranteed and understood by the software manufacturer.

At the same time, exactly this aspect is also the transition to the logistics company. Buying software is not difficult but buying the right one is even more difficult. And the fun really begins with the introduction. Everyone has to be aware of that. The purchase of software must therefore go hand in hand with a change management process that is implemented and lived in the company. The operational base must be involved in all steps. Digital first thoughts have to be placed carefully. People must not be driven by fear and worry about their job but rather have to be able to react to new things with joy. Then it will be possible to get people to let go of the old and dare to try new things. But step by step and with care. A bad process being digitalised is a digital bad process – nothing more, nothing less.

Digitalisation is not an end in itself. On the one hand, it must serve to increase efficiency and the increased well-being of the workforce, and on the other hand, it must visibly increase customer satisfaction and benefit. Only then does digitalisation make sense and is sustainable.