English version please see below

Wir haben in den letzten Wochen immer wieder Umfragen gelesen, in denen nach der gewünschten Lieferschnelligkeit bei E-Commerce Bestellungen gefragt wurde.

Die Neueste hatte die Überschrift, dass in Deutschland die Kunden mit einer Lieferung innerhalb von 5 Tagen zufrieden wären, ja eine Unzufriedenheit erst nach 9 Tagen eintritt. Andere Länder, wie bspw. China, zeigen ein ganz anderes Ergebnis, nämlich mehr in Richtung von Lieferungen innerhalb eines Tages.

Wir waren zugegebenermaßen von dem Ergebnis für Deutschland doch sehr überrascht. Sind wir doch selber große Anhänger von Lieferungen innerhalb von 24 Stunden.

Um aber ein besseres, unabhängigeres Bild zu bekommen, haben auch wir eine Umfrage gestartet und waren doch sehr gespannt auf das Ergebnis.

In unserer Umfrage haben wir die Frage gestellt „E-Commerce Lieferungen. Welche Lieferzeit ist für Sie schnell genug?“.

Als Antwort standen zur Auswahl:

  • 24 Stunden
  • 3 Tage
  • 5 Tage
  • Egal

Und um Sie nicht weiter auf die Folter zu spannen, das Ergebnis sah wie folgt aus:

  • Für 24 Stunden haben 31% abgestimmt.
  • Für 3 Tage haben 66% abgestimmt.
  • Für 5 Tage gab es null Stimmen.
  • Für Egal haben 3% abgestimmt.

Ganz ehrlich, wir waren erst einmal froh, dass es doch nicht 5 Tage oder mehr sind. Aber dennoch ist das Ergebnis abweichend von unseren eigenen Vorstellungen, da die große Mehrheit sich für 3 Tage ausgesprochen haben.

Nun haben wir uns die Frage gestellt, woran liegt das? Sind wir zu anspruchsvoll, da wir aus der Logistik kommen und die Möglichkeiten im Detail besser kennen als die „normalen“ Anwender von E-Commerce Bestellungen?

Natürlich sind wir große Fans aller technologischen und logistischen Möglichkeiten, die es heutzutage gibt. Beispiele wie Gorillas und Flink und viele andere nehmen uns Logistikinsider täglich mit auf die Reise „höher, schneller, weiter“ und zeigen auch eindrucksvoll, was machbar ist.

Doch selbstkritisch haben wir uns nach der Umfrage hinterfragt, ob das denn auch der richtige Ansatz ist. Nur weil etwas möglich ist, heißt es noch lange nicht, dass es sinnvoll ist.

An zwei Punkten oder Fakten kommt man in dieser Fragestellung offensichtlich nicht vorbei.

Erstens, viele Umfragen inklusive unserer Umfrage zeigen, dass die Kunden hierzulande mehrheitlich keinen Anspruch an eine 24 Stunden Lieferung stellen.

Zweitens, Stand heute hat es noch kein Logistikunternehmen nachhaltig bewiesen, dass eine 24 Stunden Lieferung tatsächlich profitabel durchführbar ist. Vielmehr werden hier große Verluste pro Lieferung angehäuft.

Nimmt man diese zwei Aspekte, so scheint es keinen Sinn zu machen, etwas weiter zu forcieren, was aktuell weder nachgefragt noch profitabel ist.

Interessanterweise haben auch einige Kenner der Szene in unserer Umfrage für 3 Tage abgestimmt. Ist das noch mehr ein Zeichen dafür, dass es Sinn macht, sich von 24 Stunden zu verabschieden?

Wir denken ganz klar nein. Neuerungen haben es anfänglich immer schwer, sich zu etablieren und was der Nutzer zunächst nicht kennt oder nicht vermisst, braucht er vordergründig auch nicht. Dennoch hat es jede große Entwicklung stets gezeigt, dass man diese anfängliche Hürde überwinden muss, um im Anschluss irgendwann zu einem anerkannten Standard werden zu können.

Der Vormarsch von E-Commerce ist unaufhaltsam und gerade das letzte Jahr hat dessen Vorteile mehr als deutlich zum Vorschein gebracht. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren viele noch für ein Click & Collect nicht wirklich zu gewinnen, heute ein ganz normaler Vorgang. Und wie man es vom Shoppen in der City kennt, warum soll ich die Ware nicht gleich mitnehmen können? Oder eben im Laufe des Tages abholen können. Und E-Commerce ist vom Grundsatz her nichts anderes, lässt man den lokalen Handel mal außen vor.

Aber natürlich kann man den Schirm auch weiterspannen. Neben dem Bedarf und der Wirtschaftlichkeit ist gerade in unserer heutigen Zeit das Thema Nachhaltigkeit ein wesentlicher Aspekt aller Überlegungen und Ansätze. Aus rein umweltpolitischen Aspekten heraus gibt es viele gut Argumente, nicht zwanghaft jede Lieferung innerhalb von 24 Stunden durchführen zu wollen. Und jeder von uns kennt das ungute Gefühl, wenn zuhause wieder ein Paket ankommt, dessen Inhalt nur 10% des Kartons ausfüllt.

Als Logistiker sehen wir aber naturgemäß auch diesen Sachverhalt etwas differenzierter. Auch in der doch sehr optimierten Welt der Logistik gibt es noch Potential nach oben. Auch bei 24 Stunden Lieferungen kann Nachhaltigkeit sinnvoll umgesetzt werden. Auch hierfür gibt es zahlreiche Softwarelösungen und Algorithmen, die diesen Aspekt besonders im Auge haben.

Dennoch wollen auch wir uns nicht einem entzerrten Lieferzyklus verwehren. Nicht jede Ware muss notwendigerweise innerhalb von 24 Stunden zugestellt werden. Bei Dingen des täglichen Bedarfs stellt sich niemand den Nutzen großartig in Frage. Ob allerdings jemand sein neues TV-Gerät innerhalb von 24 Stunden benötigt ist fraglich.

Doch genau hier kommt ein interessanter Aspekt zum Tragen. Wie sieht die Frage nach dem TV-Gerät aus, wenn das alte Gerät just am Tage des Eröffnungsspiels der Weltmeisterschaft kaputt geht? Versteht man es dann nicht besser, dass auch da ein Bedarf von Lieferungen innerhalb von 24 Stunden entstehen kann? Fußballfans stimmen jetzt sicherlich uneingeschränkt zu, andere wiederum nicht.

Das bringt uns zu der Frage, stehen individuelle Interessen über den Interessen der Allgemeinheit, wie bspw. Nachhaltigkeit respektive Umwelt? Wir maßen uns sicherlich nicht an, diese Frage beantworten zu können, aber sie spiegelt doch eine Grundsatzfrage unsere Zeit wider.

Die Herausforderung der Logistik ist, dass deren Erfolg an der Befriedigung von verschiedenen Bedarfen gemessen wird, vermutlich mehr als fast jede andere Branche. Auf der anderen Seite steht die Logistik nach außen im Sinnbild für umweltpolitische Belastung. Zu Unrecht, wie wir finden. Aber auch das natürlich wieder eine Sichtweise von innen. Sie sehen, ein Thema, das viele Fragen aufwirft und bei Weitem mehr als eine Meinung beinhaltet und zulässt. Wie sehen Sie das? Diskutieren Sie gerne mit. Durch Kommentare oder direkt Nachrichten an uns. Wir freuen uns über regen Meinungsaustausch.


English version

In the last few weeks we have repeatedly read surveys asking about the desired delivery speed for e-commerce orders.

The latest had the headline that in Germany customers would be satisfied with a delivery within 5 days, yes, dissatisfaction only occurs after 9 days. Other countries, such as China, show a completely different result, namely more in the direction of deliveries within a day.

We were admittedly very surprised by the result for Germany. We ourselves are big fans of deliveries within 24 hours.

But to get a better, more independent picture, we too started a survey and were really excited about the result.

In our survey we asked the question „E-Commerce deliveries. Which delivery time is fast enough for you?“.

The possible answers were:

  • 24 hours
  • 3 days
  • 5 days
  • No matter

The results looked like this:

  • 31% voted for 24 hours.
  • 66% voted for 3 days.
  • There were zero votes for 5 days.
  • 3% voted for No matter.

To be honest, we were just glad that it was not 5 days or more. But the result is still different from our own ideas, as the vast majority spoke out for 3 days.

Now we have asked ourselves the question, why is that? Are we too demanding because we come from logistics and know the possibilities in detail better than the „normal“ users of e-commerce orders?

Of course we are big fans of all the technological and logistical possibilities that exist today. Examples such as Gorillas and Flink and many others take us logistics insiders with them every day on the journey „higher, faster, further“ and also show impressively what is feasible.

But after the survey, we asked ourselves self-critically whether this was the right approach. Just because something is possible does not mean it makes sense.

Obviously, there are two points or facts that cannot be ignored in this question.

Firstly, many surveys, including ours, show that the majority of customers in Germany do not require 24-hour delivery.

Second, as of today, no logistics company has yet proven that 24-hour delivery can actually be carried out profitably. Rather, large losses per delivery are accumulated here.

If you take these two aspects into account, it does not seem to make sense to push ahead with something that is currently neither in demand nor profitable.

Interestingly, some connoisseurs of the scene also voted in our poll for 3 days. Is that even more a sign that it makes sense to say goodbye to 24 hours?

We clearly think no. Innovations always find it difficult to establish themselves in the beginning and what the user does not know or miss at first, he does not need superficially either. Nevertheless, every major development has always shown that you have to overcome this initial hurdle in order to eventually become a recognized standard.

The advance of e-commerce is unstoppable and the last year in particular has made its advantages more than evident. Not that long ago, many could not really be won over for a Click & Collect, which is now a completely normal process. And as you know from shopping in the city, why shouldn’t I be able to take the goods with me right away? Or you can pick it up during the day. And in principle, e-commerce is nothing else, if you leave out local trade.

But of course you can also stretch the umbrella further. In addition to the need and economic viability, the issue of sustainability is an essential aspect of all considerations and approaches, especially today. From a purely environmental point of view, there are many good arguments not to have to make every delivery within 24 hours. And we all know the uncomfortable feeling when a parcel arrives at home whose contents only fill 10% of the box.

As logistics people, however, we naturally also see this issue in a somewhat more differentiated manner. Even in the very optimized world of logistics, there is still potential for improvement. Sustainability can also be meaningfully implemented with 24-hour deliveries. There are also numerous software solutions and algorithms available having this in focus.

Nevertheless, we do not want to deny ourselves an equalized delivery cycle either. Not all goods necessarily have to be delivered within 24 hours. Nobody questions the usefulness of everyday items. However, it is questionable whether someone will need their new TV set within 24 hours.

But this is exactly where an interesting aspect comes into play. What does the question about the TV set look like if the old set breaks on the day of the opening game of the World Cup? Don’t you understand it better that there too a need for deliveries can arise within 24 hours? Football fans certainly agree unreservedly, while others do not.

That brings us to the question, do individual interests take precedence over the interests of the general public, such as sustainability or the environment? We certainly do not presume to be able to answer this question, but it does reflect a fundamental question of our time.

The challenge of logistics is that its success is measured by the satisfaction of various needs, probably more than almost any other industry. On the other hand, the logistics to the outside symbolize environmental pollution. Wrong, as we think. But that too, of course, is a perspective from within.

You see, a topic that raises many questions and by far contains and allows for more than one opinion. How do you see it? Feel free to join in the discussion. Through comments or direct messages to us. We look forward to a lively exchange of views.