Aus Sicht der Logistiksoftwareszene war es ein fantastisches und spannendes Jahr 2020, trotz aller Schwierig- und Widrigkeiten rund um die Corona-Situation. Unsere Highlights des Jahres haben wir in diesem Blog zusammengefasst und hoffen, dass Sie beim Lesen sowohl ein paar Flashbacks, als auch ein paar „ach, das habe ich gar nicht mitbekommen“-Momente haben. 

Was haben Sie als besonderes Highlight im Umfeld der Logistiksoftwareszene empfunden? Über entsprechende Kommentare würden wir uns freuen.

Ein Jahr voller Investments in deutsche digitale Logistikunternehmen

Natürlich gab es auch in den Vorjahren große Investments in Logistikunternehmen. 2020 besticht aber durch eine Vielzahl von Investments in Millionenhöhe. Und dabei ging es nicht nur um Startfinanzierungen. Auch schon länger bestehende Unternehmen erhielten Kapital, um das (internationale) Wachstum zu fördern. 

Die Spedition Forto erhielt knapp 60 Millionen Euro, um die Entwicklung seiner Supply-Chain-Management-Lösungen zu beschleunigen. Die Luftfrachtbuchungsplattform Cargo One erhielt 16 Millionen, um die Expansion nach Nordamerika und Asien zu ermöglichen. Die Schüttgutplattform Schüttflix, mit Werbefrontfrau Sophia Thomalla, erhielt 14 Millionen für weiteres Wachstum im deutschen Heimatmarkt und für den internationalen Rollout.

Neben diesen gab es aber noch viele weitere Investitionsrunden mit guten 7stelligen Beträgen. Unter anderem bei PamyraInstafreightTradeLinkDizzboWarehousing1, … 

International gab es ebenfalls große Investitionen

Auch in anderen Ländern gab es spannende Investitionen in die Last Mile Logistik. 2 besonders spannende kommen aus Indien bzw. USA. DispatchTrack erhielt 118 Millionen Euro und FarEye 31 Millionen Euro für das internationale Wachstum. Speziell FarEye dürfte hier in den nächsten Monaten auch in Deutschland häufiger zu sehen sein, da bereits erste Partnerschaften mit DHL und der von der DHL unterstützten Greenplan bestehen.

Stärke durch Einheit

Die Abbildung der gesamten Lieferkette und die Ausweitung des eigenen Produktportfolios ist auch in 2020 ein klarer Fokus der Investoren. So fusionierte sennder mit dem französischen Mitbewerber Everload, schloß ein Joint Venture mit der Poste Italiane und übernahm das Geschäft der Uber Freight Europa.

Aber auch andere Unternehmen bauten Ihre Firmenverbünde in 2020 stark und teilweise kaum von der „Außenwelt“ bemerkt aus. So forcierte die niederländische Alpega die Integration der inet und der transwide (Teleroute) Lösungen in ihre Transport Management Suite. Und auch die MHP Gruppe positioniert sich. Mit dem Zukauf der transdata und der bereits vorher erworbenen BNS stärkt die Gruppe ihr TMS Geschäft und mit Panda Products den Hardwarebereich. 

Die wohl größte Übernahme des Jahres erfolgte dann durch Dr. Oetker, die vor wenigen Wochen für eine Milliarde Euro die Flaschenpost übernommen haben.

Stärke und Wachstum kann sich auch durch Zufall ergeben. Durch die unerwartete Ankündigung der Einstellung des Geschäftsbetriebs der Liefery im nächsten Jahr, stehen Unternehmen wir ANGEL Last Miletiramizoo und viele andere bereit, die Lücke zu füllen und auch das Thema. Wobei hier abzuwarten bleibt, ob die Liefery Dienste wirklich zum Erliegen kommen oder ob sie wundersamer Weise mit ähnlichen Personen und ähnlicher Technologie schon Anfang 2021 unter anderem Namen wieder aktiv werden.

Messen und digitale Veranstaltungen

Ja, es gab auch Messen mit persönlicher Anwesenheit. Im Oktober fand zum ersten Mal der Logistics Summit statt. Ursprünglich in Hamburg geplant, durch Corona dann aber nach Hannover verlegt, konnten einige hundert Besucher ein spannendes Programm mit angeschlossener Ausstellung verfolgen. Wir selbst hatten das Vergnügen das Panel „Wie gehen die großen Carrier mit den Herausforderungen der Digitalisierung um und wie beziehen sie ihre Partner und Kunden mit ein?“ zu moderieren und mit den Verantwortlichen von DB SchenkerHellmannVTGl.i.t. und Schnellecke eine spannende Diskussion zu führen.

Kaum jemand konnte sich vor einem Jahr vorstellen nahezu alle Veranstaltungen und Meetings remote durchzuführen. Auch wenn wir alle auf den Auslöser gut hätten verzichten können, der Zwang zur Nutzung zahlte sich doch positiv durch Produktivitätssteigerung aus. Meetings wurden kürzer, auf Konferenzen konnte man sich selektiv bei den interessanten Vorträgen zuschalten und zwischendurch im Büro/HomeOffice weiterarbeiten. Und auch bei reinen Messen finden wir bestimmt Vorteile der Online-Versionen, wir müssen sie nur noch suchen ;).

Trends

Wohin entwickelt sich die Logistik in der Zukunft? Diese Frage beantworten wir Ihnen an dieser Stelle nicht. Ggf. machen wir dies aber zu einem der nächsten Blog-Themen. Was wir beantworten, sind die Trends, die in diesem Jahr zum normalen Business geworden sind.

Transportplattformen sind schon viele Jahre in den digitalen Alltag der Logistik integriert. Doch waren es in der Vergangenheit vorrangig einfache Frachtenbörsen, reden wir heute immer häufiger auch von vollwertigen Speditionsleistungen.

Urgesteine in diesem Umfeld sind Timocom und Transporeon, die es auch 2020 wieder geschafft haben, Ihr Produktportfolio den Bedürfnissen der Kunden anzupassen und sich weiter zu entwickeln. 

Schon ein paar Jahre dabei und 2020 endgültig den Kinderschuhen entwachsen sind die Frachtvermittler und/oder digitale Speditionen sennderCargonexxFortosaloodoInstafreightCarrypicker und viele mehr.

Gleiches gilt auch für die Supply Chain Visibility / Real-time Visibility / ETA Lösungen, die durch die Fokussierung auf den Begriff „Visibility“ und den anhaltenden Trend in 2020 ordentlich zulegen konnten. ShippeoSynfiooVerooTradeLink, sind hier nur ein paar Beispiele.

Neu in den Fokus der Logistik gerückt sind Dienstleistungen rund um das Thema Factoring. Obwohl das Factoring an sich kein neues Thema ist, so ist es doch durch die Spezialisierung auf logistische Abrechungsprozesse durch die JITpay Unternehmensgruppe 2020 wieder deutlich in den Mittelpunkt gerückt.

Und auch im Markt der API-basierten geografischen Entwicklerkomponenten ist 2020 in Bewegung gekommen. Die Branchenführer PTV und HERE bauten ihr Produktportfolio in diesem Umfeld aus. Die Neuen der letzten Jahre wie beispielsweise Smartlane und Graphmaster konnten ihre Lösungen am Markt weiter etablieren. Und neue Anbieter, teils Startups, teils etablierten Unternehmen, die ihre Lösungen API-fähig machten, sind hinzugekommen und konnten auf sich aufmerksam machen. AIS AlphaplanGreenplanTiramizooHeuremoTrimble MapsFlexisSwarm LogisticsaddHelix sind hier nur ein paar Beispiele.

Vorbildlich

Zu guter Letzt möchten wir noch eine Zusammenarbeit hervorheben, die wir nachahmenswert finden. Die hart im Wettbewerb stehenden Trailer Hersteller Schmitz Cargobull und Krone bzw. die Cargobull Telematics und die Krone Telematics haben ihre Schnittstellen für die jeweils andere Seite geöffnet. Cargobull Kunden können somit Krone Trailer im Cargobull Portal einbinden und Krone Kunden können Cargobull Trailer im Krone Portal einbinden. Für die Kunden besteht damit vollständige Datentransparenz über die gesamte Flotte beider Hersteller, unabhängig vom genutzten Portal. Klasse.

Mit diesem positiven Beispiel an Zusammenarbeit und Transparenz schließen wir unseren Jahresrückblick 2020. Wir wünschen Ihnen ein frohes und stressfreies Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins neue Jahr.

Volker Möller und Constantin Lutz